top of page
Gruppe_1_edited.jpg

On the Blog

Achtsamkeit in der Alltäglichkeit

oder:

Wie wir unser Leben durch Wissen aus der Psychiatrie bereichern können

 


In diesem Beitrag möchte ich, meine Erfahrungen aus meinem Berufsleben teilen. Keine Sorge, hier folgen keine schlimmen Schicksalsschläge von Menschen oder ekelhafte Details über verschiedene Erkrankungen.

Ich möchte in den folgenden Zeilen, über Strategien berichten, die wir auf der Psychiatrie "Skills" nennen.


Skills ist ein Begriff aus der Psychotherapie. Man versteht darunter Fertigkeiten und Techniken, die der Patient erlernt, um mit bestimmten Situationen besser umgehen zu können.

Eine Sonderform stellen die Skills in der dialektisch-behavioralen Therapie (DBT) für Borderline-Patienten dar.



Vorweg. Auch mir gelingt es nicht immer, meine Emotionen im Zaum zu halten. Andere Professionisten im Bereich der mentalen Gesundheit, kommen an ihre Grenzen. Man ist, trotz des theoretischen Wissen nicht immer dazu fähig dieses Wissen auch in die Praxis umzusetzen.


Bestes Beispiel: Rauchen

Jeder weiß, dass es gesundheitsschädlich ist zu rauchen. Ich habe auch eine Zeit lang geraucht. Knapp 10 Jahre. Jetzt bin ich Nichtraucherin, keine penetrante, trotzdem sehr stolz diese Angewohnheit aus meinem Leben verbannt zu haben.

Mein Kollegium, hat doch einige Raucher unter sich, trotz des fachlichen Wissens, dass es ungesund ist machen sie es. So ist es auch mit anderen Verhaltensweisen, die wir uns im Laufe unseres Lebens angeeignet haben.


Und wie kann man sich so eine „schlechte Angewohnheit“ nun abgewöhnen?


Wir brauchen einen „Skill“, eine Ersatzhandlung. Etwas zu tun, was wir immer dann tun, wenn wir in Versuchung kommen der „schlechte Angewohnheit“ wieder nachzugehen.

Ich benenne es in diesem Artikel als schlechte Angewohnheit, weil es in meiner Arbeit nicht darum geht, einem Patienten dabei zu unterstützen mit dem Rauchen aufzuhören. Dieses Wissen jedoch von jedem eingesetzt werden kann, der etwas hinter sich lassen will und sich nicht am Ende des Jahres fragen will, was aus seinen letzten Neujahresvorsätzen schon wieder geworden ist.


Diese Skills, wie wir sie in der Arbeit mit den Jugendlichen nennen, können ganz verschieden aussehen. Es könnten auch einfach Hobbies sein, die man im Alltag untergehen hat lassen. Es kann ein einfaches Vollbad oder ein Buch lesen sein. Diese Skills funktionieren ganz gut, wenn man sich wieder ein bisschen auf sich fokussieren will. Vom hektischen Alltag abschalten will und sich einfach nur entspannen will. Diese Art von Skills werden Wohlfühl´ Skills genannt. Sie sind dafür da, sich selbst zu stärken. Lernen sich selbst Aufmerksamkeit, Zeit und Zuneigung zu schenken. Sich gutes tun.


Hier eine kurze Liste an Beispielen für Wohlfühl´ Skills:

Durch die Wohnung tanzen und singen

• Lange duschen oder ein Vollbad

• Körperpflege

• Massagen

• Yoga

• Wohltuende Aromadüfte

• Kochen, Backen

• Shoppen

Mit lieben Menschen reden

In die Natur gehen

Beim Tierschutz helfen

• Nägel lackieren

• Frisörbesuch

Etwas essen gehen und sich dafür schick machen

Mit einem alten Freund Erinnerungen wecken

• Schreiben, lesen, zeichnen, kreativ sein

Und alles was euch gut tut und ein lächeln ins Gesicht zaubert







Doch dann gibt’s da auch Tage, an denen kein Vollbad reicht. Beim Buch lesen kommt man kaum zwei Zeilen weit und schon ist man wieder in den Gedanken unterwegs. Es gibt Tage an denen wir nicht mehr weiterwissen. Und ich sag euch ganz ehrlich. Da wird’s ein Vollbad auch nicht immer besser machen.

Es gibt Tage, an denen man denkt, dass all die Kraft, die euch lange zusammen gehalten hat, nun wirklich ausgeht. Wenn man kurz vorm Aufgeben ist, seinen alten Mustern wieder die Oberhand gewinnen lassen will, kommen die sogenannten Stresstoleranz Skills ins Spiel.


Stresstoleranz Skills sollen möglichst starke Reize sein, die dem Menschen eine kurze Ablenkung von dem inneren Stress bieten sollen.

Das Ziel, ist es die innere Anspannung so zu reduzieren, dass keine (selbst-)schädigende Handlung erfolgen muss.


Die meisten Menschen haben diese Fähigkeiten, sich selbst zu regulieren. Leider kommt es in einer Krisensituation, manchmal dazu, dass Menschen diese Fähigkeiten nicht abrufen können. Deswegen sollte man, wenn man anfällig ist, von Emotionen überflutet zu werden, auch Stresstoleranz Skills haben. Auch hier haben Erwachsene meist schon ein gewisses Päckchen an Dingen die sie anwenden. Ganz automatisch.


Soweit so gut.


In meiner Arbeit werden diese Dinge eingesetzt, um Menschen vor massiven selbstschädigenden Handlungen zu bewahren. Nicht jeder ist gefährdet, sich selbst etwas anzutun. Jeder kann diese Praxis allerdings zu seinem persönlichen Vorteil nutzen um eine „schlechte Angewohnheit“ loszuwerden oder lernen alte Muster abzulegen.


Ein paar Beispiele für Stresstoleranz Skills:

• Tabasco Shot, Chili Schote